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Swift S-1 von Mibo

Swift S-1 Schriftzug

von MIBO (Bezug: Thommys Modellbau)

Swift Logo Swift S-1

Bausatz, was gibt's fürs Geld?

Beim Öffnen des Baukastens fällt einem zunächst der für ein Modell dieser Größe wirklich riesige und bullige Rumpf auf. Des Weiteren liegen ordentlich verschiffene Styropor/Abachi-Tragflächen und Höhenleitwerk und ein GfK-Seitenruder bei. Der Kabinenrahmen und die Haube sind aus Tiefziehteilen gefertigt. Sämtliche Anlenkungsteile wie eine CfK-Schubstange für das Höhenruder, Gabelköpfe, Ruderhörner usw., Sperrholzspanten, ein Rundstahl zur Flächenaufnahme und ein Dekorbogen liegen ebenfalls bei. Eine Bauanleitung im eigentlichen Sinne gibt es nicht, jedoch einen verkleinerten vierseitigen Plan mit Stückliste, aus dem für den erfahrenen Modellbauer der Aufbau klar zu entnehmen ist.

Bauweise

Rumpf

Der weiße GfK-Rumpf macht einen sehr soliden Eindruck und liegt mit ca. 550 g gut in der Hand. Alles ist sauber laminiert, dabei wurde jedoch recht grobes Gewebe verwendet, dem vorderen Rumpfbereich und dem Kabinenrahmen wurde eine Extralage gegönnt. Innen sind die zwei Rumpfhälften mit einem GfK-Band zusammengefügt, hier wird wohl nichts aufplatzen. Alle Spanten und das Servobrett liegen als vorgestanzte 3 mm Sperrholzteile bei. Das Sperrholz macht jedoch einen weichen Eindruck, daher habe ich alle Teile beidseitig mit einer 163er GfK-Beschichtung versehen.

RC-Einbau mit Servos für Schleppkupplung, Höhen- und Seitenruder, und Einziehfahrwerk.

Zur Aufnahme des Flächenrundstahls wird ein Messingrohr in den Rumpf geharzt, seine Position ist in Form einer zylindrischen Vertiefung am Rumpf exakt vorgegeben, es muss lediglich das Laminat herausgefräst werden. Als hintere Lagerung sind bereits Messingröhrchen im Rumpf vorhanden. Unmittelbar hinter die Flächenaufnahme wird ein Sperrholzspant geharzt. Anschließend ist optional eine Schleppkupplung einzubauen, diese liegt nicht bei, ich habe die Schleppkupplung von Graupner verwendet. Schließlich wird das Servobrett im Kabinenbereich eingeharzt. Wie sich in ersten F-Schlepps herausstellte, ist der Einbau eines Einziehfahrwerks oder zumindest eines steckbaren Rads dringend zu empfehlen! Daher habe ich das kleine Graupner EZFW (Best.-Nr. 1185) mit einem Raddurchmesser von 70 mm einbauen. Die Position ist im Plan verzeichnet, die Klappen sind am Rumpfboden markiert. Das EZFW ist vorn und hinten in einem selbst herzustellenden Halbspant gelagert. Auch die Halterung für das EZFW-Servo ist nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Als Flächenverriegelung wurden nicht die vorgesehenen Haken und Gummibänder, sondern das MultiLock-System von Multiplex gewählt. Schließlich ist der Kabinenhaubenrahmen und die Klarsichthaube anzupassen und zu verkleben und die Verriegelung einzubauen.

Auf der Unterseite der Höhenleitwerksauflage wird später eine Einschlagmutter zur Verschraubung des Höhenleitwerks eingeharzt. Nach Rücksprache mit Thommy Seidel (Thommys Modellbau) sollte die Einstellwinkel-Differenz auf 0,8-1° eingestellt werden. Um dies zu erreichen, musste ich an der Höhenleitwerksauflage vorn ca. 1 mm unterlegen. Leider geht aus dem Plan nicht eindeutig hervor, dass die Nasenleiste des Höhenruders an der Wurzel begradigt werden sollte, wodurch das Leitwerk weiter vorn — und damit mit weniger Anstellwinkel — zu liegen käme. Dann hätte eine deutlich geringere Unterfütterung ausgereicht. Letztlich ist die Seitenruderflosse durch eine Sperrholzleiste zu schließen, in die zuvor die Ruderlagerung einzupassen ist. Diese besteht aus einem unteren und oberen Lagerstift.

Seitenruderkehle mit Abschlussleiste und unterem Lagerungsstift. Die Seitenruder-Anlenkung ist innenliegend.

Tragflächen

Die Tragflächen sind in konventioneller Bauweise in Styropor mit Abachibeplankung und -nasenleiste sehr sauber und profilgetreu hergestellt. Die Nasenleiste ist perfekt verschliffen, die Randbögen sind noch „offen“, den Flächenabschluss bilden später Abschlussscheiben aus 3 mm Sperrholz. Als Wurzelrippe dient eine gefräste 10 mm Rippe aus Abachi, die natürlich bereits „unter Putz“ eingebaut ist. Unter der Beplankung der Ober- und Unterseite sind die Tragflächen auf ihrer gesamten Länge mit CfK unterlegt. Als Flächensteckung ist eine Messinghülse zur Aufnahme eines Rundstahls mit 10 mm Durchmesser fertig eingebaut, hinten werden die Flächen mittels eines 3 mm Stahlstiftes gesichert. Erste Biegeversuche der Tragflächen ergeben, dass sie bombenfest sind. Die beiden Flächen weisen ein Gewicht von 536 g und 512 g auf, die Differenz wurde durch 24 g Blei im Servoschacht ausgeglichen.

Erfreulicherweise sind doppelstöckige Störklappen fix und fertig eingebaut. Ein Stahldraht zur Anlenkung ist bis zum Servoschacht an der Flächenwurzel geführt. Entscheidet man sich für die Ansteuerung über ein zentrales Servo im Rumpf, ist diese Anlenkung in Eigenregie zu verlängern. Ich habe mich für den Einbau von Servos in den Flächen entschieden. Allerdings sind beide Anlenkungen entlang der Flächenunterseite verlegt. Normalerweise sollte eine Anlenkung auf der gegenüber liegenden Seite verlaufen, da sonst aufgrund der gleichen Drehrichtung der Servos eine Ansteuerung über ein V-Kabel unmöglich wird. Daher habe ich die Servos über getrennte Empfängerkanäle angesteuert und die Drehrichtung eines Servos umgekehrt.

Die gewaltig langen Querruder sind als Elastic-Flaps ausgeführt. Auf der oberen Beplankung ist eine feine Fräsung vorhanden, die noch bis zum Scharniergewebe ausgearbeitet werden muss. Auf der Unterseite ist die Querruderkehle ebenfalls vorgefräst. Das Herausarbeiten der unteren Querruderkehle und das „Gängigmachen“ der Querruder erfordert etwas Geduld. Zur Aufnahme der Servos sind bereits Schächte mit einer Tiefe von 13 mm vorgefräst, arbeitet man das gesamte Styropor bis zur oberen Beplankung heraus, können auch 15 mm-Servos eingebaut werden. Als Ruderhörner dienen die beiliegenden, aus 4 mm Rundmaterial gefertigten Aluruderhörner. Später können die Schächte durch beiliegende tiefgezogene Kunststoffdeckel verschlossen werden. Die Flächenservos habe ich über jeweils einen 9-poligen Sub-D-Stecker versorgt. Der Kontakt erfolgt direkt beim Anstecken der Flächen an den Rumpf. Dazu musste allerdings ein Kanal für die Kabel der Störklappen-Servos geschaffen werden. Ich habe diesen Kanal in die Stirnseite der Wurzelrippe gefräst und die Kabel nach vorn, zum Kabelkanal der Querruder-Servos geführt.

Leitwerke

Das Höhenleitwerk ist, wie die Tragfläche, in konventioneller Styropor-Abachibauweise mit Randbögen aus Balsa gefertigt. Lediglich die Randbögen sind noch zu verschleifen und das als Elastic-Flap angeschlagene Ruder ist gefügig zu machen. Im Auflagebereich habe ich das Höhenleitwerk auf der Unterseite mit einem kleinen Stück 105 g GfK verstärkt. Das Voll-GfK-Seitenruder kommt fertig aus dem Karton, die Aluröhrchen zur Aufnahme der Lagerungsstifte sind bereits eingebaut, es bleibt nur der Einbau eines Aluruderhorns übrig. Die Anlenkung des Höhenruders erfolgt über eine CfK-Schubstange. Das beiliegende Plastikruderhorn habe ich durch ein selbst gefertigtes aus GfK ersetzt. Das Seitenruder wird durch einen Stahldraht-Bowdenzug angelenkt. Beide Anlenkungen verlaufen innenliegend im Rumpf. Die Anlenkung des Seitenruders konnte im Nachhinein jedoch nicht gefallen. Der Stahldraht hat einen Durchmesser von 1,2 mm und läuft in einer Bowdenzughülle mit 2 mm Durchmesser. Das Aluruderhorn ist, wie für Gabelköpfe üblich, mit einer 1,6 mm Bohrung versehen. Dies beides zusammen verursacht ein erhebliches Spiel des Seitenruders. Das Spiel im Ruderhorn habe ich nachträglich beseitigen können, dennoch ist das verbleibende Spiel noch recht groß.

Finish

Ursprünglich sollten Tragflächen und Höhenleitwerk mit einer GfK-Schicht versehen und anschließend lackiert werden. Nachdem ich das voraussichtliche Abfluggewicht kalkuliert habe, entschloss ich mich allerdings dagegen und habe sie mit Orastick, oben weiß und unten Ferrari-rot gebügelt. Dieses Finish bringt einen Gewichtszuwachs von 88 g für beide Tragflächen zusammen. Im Flug hat sich die unterschiedliche Gestaltung von Ober- und Unterseite bestens bewährt. Die Ruderspalten auf der Unterseite wurden mit Spaltabdeckband von Graupner aerodynamisch verkleidet. Schließlich ist noch der Rumpf mit Zierstreifen des beiliegenden Dekorbogens zu versehen.

Dem Bausatz liegt auch ein Aufkleber mit einer Flagge der Schweiz bei, Leider zeigte sich jedoch, dass die rote Farbe vom Aufkleber abblättert, also habe ich eine entsprechende Flagge aus Orastick hergestellt. Dank Christian Schmid, der die echte HB-3126 fliegt, habe ich einige Fotos vom Original erhalten, wofür ich mich nochmals ganz herzlich bedanken möchte. Dank dieser Fotos und dem Bauplan, konnte ich das Modell nahezu wie das Original gestalten.

RC-Einstellungen

Der Schwerpunkt ist im Plan in einem Bereich von 65-75 mm hinter der Nasenleiste angegeben, zur Eintrimmung des hinteren Schwerpunkts sind ca. 80 g Blei in der Rumpfspitze notwendig. Die Ruderausschläge für Normal- und für Akro-Flug habe ich dem Plan entnommen, nur derHöhenruderausschlag wurde von +/-15 auf +/-10 mm verkeinert. Insgesamt wurden drei Flugzustände programmiert: Normal, Thermik und Acro. Die Ruderwege könne der Tabelle entnommen werden. Das Seitenruder kann per Schalter dem Querruder beigemischt werden.

Flugerprobung

Beim F-Schlepp — noch ohne Einziehfahrwerk — zeigte sich, dass der Rumpf auf dem Gras regelrecht festklebt. Mehrere Startversuche mussten abgebrochen werden, weil das Gespann nur schwerlich beschleunigte und die Swift am Boden gefährlich ins Schlingern geriet. Für den F-Schlepp sollte folglich unbedingt ein Fahrwerk eingebaut werden, wozu ich mich dann auch entschlossen habe. Der Gewichtszuwachs durch den Einbau des EZFW inklusive Servo beträgt ca. 250 g. Später habe ich folgenden Tipp bekommen. Die Schleppkupplung sollte nicht in der Rumpfspitze, sondern am Rumpfboden, etwa unterhalb der vorderen Schräge der Kabinenhaube untergebracht werden. Dadurch wird der Rumpf beim Schlepp vorne "angeboben". Um Gewicht zu sparen, habe ich das EZFW später wieder ausgebaut und die Schleppkuplung wie beschrieben im Rumpfboden eingebaut. Einmal in der Luft ist der weitere Schlepp völlig problemlos. Das Höhenruder ist leicht gezogen zu halten. Mittlerweile hat mich J. Wolter mit seiner Elektro-Schlepp-Maschine MäcSchläpp viele Male in die Luft befördert, wofür ich ihm herzlich danke. Der von Thommy Seidel empfohlene Schwerpunkt von 74 mm ist genau richtig. Die Swift hat immer genügend Fahrt und geht problemlos durch alle Figuren. Das Modell verhält sich neutral und will gesteuert werden. Mit der Swift ist es durchaus möglich, ein Programm von ca. 10 Figuren zu absolvieren, ohne dabei in Höhen anfangen zu müssen, in denen ein Modell dieser Größe kaum noch vernünftig auszumachen ist. Allerdings lasse ich mich auch gerne zum "Freien Fliegen" verleiten. Besonders angetan haben es mir Platzüberflüge mit 4-Punkt-Rolle. Erstaunlich ist, wieviel Dampf die Swift anschließend mitnimmt und wieder in Höhe umsetzt. Hier wirkt sich die hohe Flächenbelastung positiv aus. Für den Thermik-Flug ist die Maschine sicher nicht besonders geeignet, aber dafür wollte ich sie auch nicht haben. Die Geschwindigkeit im Landeanflug ist relativ hoch, der Anflug lässt sich jedoch dank der wirkungsvollen Störklappen sehr gut einteilen. Auch am Hang lässt sich die Swift sehr gut einsetzten. Videos, aufgenommen an der Küste in Hanstholm (DK) sind hier und hier zu finden.

Fazit

Die Swift von MIBO ist genau das Modell, das ich mir vorgestellt habe. Der Baukasten ist von guter Qualität und der Bau geht problemlos von statten. Wünschenswert wäre allerdings, dass die EWD von vornherein richtig angeformt ist und dass die sehr nützlichen Tipps von Thommy Seidel in den Bauplan eingingen. Wie ich erfahren habe, ist bei ihm eine zusätzliche Anleitung gerade in Arbeit. Die Swift lässt sich auf unserem Platz, auf dem nur Segel- und Elektroflug betrieben wird, problemlos mit einem E-Schlepper in die Luft befördern und ist auch an Hängen einsetzbar, wie sie in unserer Umgebung vorzufinden sind. Obwohl sie nur ca. 35 cm mehr Spannweite hat als meine Fox, die auch schon zahlreiche F-Schlepps hinter sich hat, wirkt und fliegt sich die Swift viel mehr wie ein großes Modell. Das Flugbild dieses vorbildgetreuen Modells gefällt mir und auch anderen immer wieder sehr gut. Für mich ist dieses Modell ideal geeignet, um Segelkunstflug für den "Privatgebrauch" zu trainieren.

Technische Daten

Hersteller: Mibo Modeli
Jahr: 2001
Spannweite: 2540 mm
Profil: RG15A
Ti/Ta: 260/100 mm
Flächeninhalt: 43,86 dm2
Schwerpunkt: ca. 74 mm
EWD: 1,0°
Gewicht (ohne EZFW): 3120 g
Flächenbelastung: ca. 71,14 g/dm2

Ruderwege

Normal Thermik Akro
Höhenruder o/u: 10 mm 10 mm 10 mm
Seitenruder l/r: 70 mm 70 mm 70 mm
Querruder o/u: 15/7 mm 15/4 mm 15/15 mm

RC-Komponenten

Querruder: Futaba S3102
Störklappe: HiTec HS-80MG
Seitenruder:
Höhenruder:
Schleppkupplung:
Futaba S3001
(EZFW: GIGAline Power BB MG)
Empfänger: Futaba R6008 HS
Empfänger-Akku: 4 NiCa Sanyo KR1800SCE